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Fachberatung Autismus: Autismus verstehen.

Neurodiversität als Teil menschlicher Vielfalt

Autismus ist keine Krankheit, sondern eine angeborene Form der Neurodivergenz. Autistische Menschen nehmen ihre Umwelt wahr, verarbeiten Informationen und kommunizieren häufig anders als nicht-autistische Menschen.

Gleiche Bausteine – eine andere Ordnung.

Begleitung

Stärken entfalten, Belastungen verringern.

Die Unterschiede in Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Kommunikation bringen Herausforderungen mit sich, können aber ebenso besondere Fähigkeiten und Perspektiven ermöglichen. Ziel einer Autismusbegleitung ist daher nicht die Veränderung der Persönlichkeit, sondern die Verbesserung der Lebensqualität, der Selbstbestimmung und der gesellschaftlichen Teilhabe.

Als Psychologin begleite ich Eltern autistischer Kinder, Jugendliche, Erwachsene sowie deren Familien mit einer neurodiversitätsaffirmativen Haltung. Gemeinsam entwickeln wir individuelle Strategien, die den Alltag erleichtern, Belastungen reduzieren und vorhandene Ressourcen stärken.

Eltern autistischer Kinder

Fragen zu Alltag, Kita, Schule und passenden Hilfen

Jugendliche

Schule, Ausbildung, Freundschaften und eigene Bedürfnisse

Erwachsene

Beruf und Beziehungen – auch nach einer späten Diagnose

Familien

Gegenseitiges Verständnis und Routinen, die allen guttun

seit 2022

Beratung und autismus­spezifische Förderung am Autismuszentrum Leipzig

Was ist Autismus?

Autismus – in der ICD-11 als Autismus-Spektrum-Störung (ASS) bezeichnet – ist eine neurobiologische Entwicklungsvariante, die sich bereits in der frühen Kindheit zeigt und den Menschen ein Leben lang begleitet. Autismus beeinflusst insbesondere die soziale Kommunikation, die Verarbeitung von Sinneseindrücken sowie die Art und Weise, wie Informationen verarbeitet, Interessen entwickelt und Routinen gestaltet werden.

Autismus ist keine psychische Erkrankung und keine Folge von Erziehungsfehlern. Vielmehr handelt es sich um eine neurobiologische Besonderheit, die überwiegend genetisch bedingt ist. Die Ausprägung ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich – deshalb spricht man von einem Spektrum.

Definition nach ICD-11

Die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet seit 2022 den Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS).

Frühere Diagnosen und Bezeichnungen

  • Asperger-Syndrom
  • frühkindlicher Autismus
  • atypischer Autismus
  • High-Functioning-Autismus

Autismus-Spektrum-Störung

Diese früheren Diagnosen werden in der ICD-11 nicht mehr als eigenständige Diagnosen geführt. Stattdessen beschreibt die Diagnose heute ein gemeinsames Spektrum, das hinsichtlich Sprache, Intelligenz, Unterstützungsbedarf und Alltagskompetenzen unterschiedlich ausgeprägt sein kann.

Diese Änderung berücksichtigt wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre: Die Übergänge zwischen den früheren Diagnosen sind fließend und lassen sich häufig nicht eindeutig voneinander abgrenzen. In Deutschland werden Diagnosen derzeit überwiegend noch nach der ICD-10-GM gestellt.

Woran erkennt man Autismus?

Autismus zeigt sich bei jedem Menschen unterschiedlich. Dennoch gibt es Merkmale, die besonders häufig auftreten.

Soziale Kommunikation

Viele autistische Menschen erleben soziale Situationen anders als nicht-autistische Personen.

Beispiele:

  • Schwierigkeiten, unausgesprochene Regeln zu erkennen
  • wörtliches Verstehen von Sprache
  • Unsicherheit bei Small Talk
  • Missverständnisse durch Mimik oder Körpersprache
  • ehrliche und direkte Kommunikation

Nicht jede Besonderheit stellt dabei ein Defizit dar. Viele autistische Menschen bevorzugen vielmehr eine klare, direkte und eindeutige Kommunikation.

Wahrnehmung

Das Gehirn verarbeitet Sinneseindrücke häufig intensiver oder anders.

Beispiele:

  • Geräusche können schmerzhaft laut erscheinen
  • Kleidung kann als unangenehm empfunden werden
  • Gerüche oder Licht werden besonders intensiv wahrgenommen
  • mehrere Reize gleichzeitig können schnell überfordern

Eine Reizüberflutung kann zu Erschöpfung, Rückzug oder einem sogenannten Meltdown führen.

Denken und Informations­verarbeitung

Viele autistische Menschen besitzen eine ausgeprägte Detailwahrnehmung.

Typisch können sein:

  • analytisches Denken
  • außergewöhnliche Fachinteressen
  • hohe Genauigkeit
  • Mustererkennung
  • logisches Problemlösen

Gleichzeitig können unerwartete Veränderungen oder unklare Situationen erheblichen Stress verursachen.

Interessen und Routinen

Wiederholungen und Vorhersehbarkeit schaffen Sicherheit.

Deshalb entwickeln viele autistische Menschen:

  • feste Tagesstrukturen
  • intensive Spezialinteressen
  • klare Abläufe
  • Rituale
  • einen hohen Wunsch nach Planbarkeit

Diese Routinen sind keine „schlechten Angewohnheiten“, sondern häufig wichtige Strategien zur Selbstregulation.

Was bedeutet Neuro­diversität?

Der Begriff Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne. So wie Menschen sich hinsichtlich Persönlichkeit, Intelligenz oder Begabungen unterscheiden, unterscheiden sie sich auch in ihrer neurologischen Entwicklung.

Autismus, ADHS, Legasthenie oder das Tourette-Syndrom werden in diesem Zusammenhang als Formen neurologischer Vielfalt verstanden.

Eine neurodiversitäts­affirmative Haltung bedeutet

  1. 01 Unterschiede respektieren
  2. 02 Individuelle Stärken erkennen
  3. 03 Unterstützungs­bedarfe ernst nehmen
  4. 04 Barrieren abbauen
  5. 05 Teilhabe ermöglichen

Das bedeutet ausdrücklich nicht, Schwierigkeiten zu verharmlosen. Autistische Menschen können erheblich unter Reizüberflutung, Missverständnissen, Ausgrenzung oder Begleiterkrankungen leiden. Ziel professioneller Unterstützung ist daher die Verbesserung der Lebensqualität – nicht die Veränderung der Persönlichkeit.

Was hilft autistischen Menschen?

Fachlich besteht weitgehend Einigkeit, dass Unterstützung individuell angepasst sein sollte. Dazu können beispielsweise gehören:

  • Psychoedukation
  • psychologische Beratung
  • Coaching
  • Ergotherapie
  • Logopädie bei Bedarf
  • Unterstützung der Exekutivfunktionen
  • Reizreduktion
  • verständliche Kommunikation
  • strukturierte Tagesabläufe
  • Nachteilsausgleiche
  • soziale Teilhabe
  • Akzeptanz durch Familie, Schule und Arbeitsplatz

Teil meiner Beratung

Nicht-autistische Menschen müssen Autismus ebenso verstehen lernen, wie autistische Menschen ihre Umwelt verstehen lernen müssen. Eine gelingende Entwicklung entsteht dort, wo beide Seiten bereit sind, aufeinander zuzugehen.

Porträt von Julia Stolzke-Hirschfeld

Meine Haltung

Ich arbeite nach einem neurodiversitäts­affirmativen Verständnis von Autismus.

Ich betrachte autistische Menschen nicht als „defizitär“, sondern als Menschen mit einer besonderen Art der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung. Gleichzeitig nehme ich Belastungen ernst und unterstütze dabei, individuelle Lösungen für Alltag, Familie, Schule, Ausbildung, Beruf und Beziehungen zu entwickeln.

Mein Ziel ist es, Menschen im Autismus-Spektrum sowie ihre Angehörigen dabei zu begleiten, ihre Stärken zu entfalten, Belastungen zu reduzieren und ein selbstbestimmtes Leben zu gestalten.

Julia Stolzke-Hirschfeld · Psychologin (M.Sc.) und Coach (M.A.) · Mehr über mich

Lebenswege im Spektrum

Vier mögliche Lebenswege zeigen, wie unterschiedlich sich Autismus entwickeln und im Alltag zeigen kann.

Die Geschichten sind fiktive Beispiele, keine Fälle aus meiner Praxis. Sie orientieren sich an typischen Verläufen, wie sie in der Fachliteratur beschrieben werden, und ersetzen keine Diagnostik.

Ein möglicher Lebensweg

Lukas’ Geschichte

Diagnose im Kita-Alter · 8 Stationen

  1. 01Kleinkindalter

    Lukas entwickelt sich im Kleinkindalter zunächst unauffällig. Bereits früh fällt seinen Eltern jedoch auf, dass er lieber allein spielt, stundenlang Bauklötze nach Farben sortiert und Veränderungen im Tagesablauf ihn stark verunsichern. Während andere Kinder Rollenspiele spielen, beschäftigt er sich intensiv mit Fahrplänen und kann sich außergewöhnlich viele Details merken. Gleichzeitig reagiert er empfindlich auf laute Geräusche und zieht sich bei Familienfeiern häufig zurück.

  2. 02Kita

    In der Kindertagesstätte beobachten die pädagogischen Fachkräfte ähnliche Besonderheiten. Lukas beteiligt sich nur selten an Gruppenspielen, versteht die Regeln vieler sozialer Situationen nicht intuitiv und gerät bei unerwarteten Veränderungen schnell in Stress. Da Eltern und Kita ihre Beobachtungen offen austauschen und gemeinsam nach Erklärungen suchen, wird eine kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik angeregt.

  3. 03Diagnostik

    Im Idealfall erfolgt die Diagnostik durch ein interdisziplinäres Team aus Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychologie sowie weiteren Fachdisziplinen. Neben Gesprächen mit den Eltern werden Entwicklungsverlauf, Verhaltensbeobachtungen, standardisierte Testverfahren und Informationen aus der Kita einbezogen. Ziel der Diagnostik ist nicht, ein Kind auf seine Diagnose zu reduzieren, sondern seine individuellen Stärken, Herausforderungen und seinen Unterstützungsbedarf möglichst genau zu verstehen.

  4. 04Hilfeplanung

    Gemeinsam mit den Eltern wird anschließend überlegt, welche Hilfen Lukas tatsächlich benötigt. Nicht jedes autistische Kind braucht dieselben Unterstützungsangebote. Während manche Kinder von einer Schulbegleitung profitieren, benötigen andere vor allem klare Strukturen, einen reizarmen Arbeitsplatz oder gezielte Förderung der sozialen Kommunikation. Entscheidend ist eine individuelle Hilfeplanung, die regelmäßig überprüft und an die Entwicklung des Kindes angepasst wird.

  5. 05Einschulung

    Vor der Einschulung finden Gespräche zwischen Eltern, Kita, Schule und – sofern beteiligt – therapeutischen Fachkräften statt. Gemeinsam werden mögliche Belastungen besprochen und Unterstützungsmaßnahmen geplant. Ein Nachteilsausgleich kann beispielsweise mehr Bearbeitungszeit bei Klassenarbeiten, einen ruhigen Arbeitsplatz, strukturierte Arbeitsaufträge oder Möglichkeiten zur Reizreduktion umfassen. Ziel ist kein Vorteil gegenüber anderen Kindern, sondern ein fairer Ausgleich autismusbedingter Nachteile.

  6. 06Schulzeit

    Während der Schulzeit entwickelt Lukas zunehmend eigene Strategien, um mit Herausforderungen umzugehen. Seine besondere Begabung für Mathematik und Informatik wird gefördert, gleichzeitig erhält er Unterstützung bei sozialen Konflikten und der Organisation des Schulalltags. Regelmäßige Gespräche zwischen Eltern, Lehrkräften und weiteren beteiligten Fachpersonen tragen wesentlich dazu bei, Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und Lösungen gemeinsam zu entwickeln.

  7. 07Ausbildung

    Nach dem Schulabschluss beginnt Lukas eine Berufsorientierung, die sich an seinen Interessen, Fähigkeiten und seinem Unterstützungsbedarf orientiert. In Praktika zeigt sich, dass er in einem strukturierten Arbeitsumfeld mit klaren Aufgaben seine Stärken besonders gut einsetzen kann. Gemeinsam mit der Berufsberatung wird ein passender Ausbildungsplatz gefunden. Ob Lukas seine Autismusdiagnose am Arbeitsplatz offen anspricht, entscheidet er selbst. Manche Menschen erleben dadurch mehr Verständnis und passende Unterstützung, andere verzichten bewusst auf ein Outing. Auch diese Entscheidung sollte individuell und gut informiert getroffen werden.

  8. 08Heute

    Heute arbeitet Lukas erfolgreich in seinem Beruf. Einige Herausforderungen begleiten ihn weiterhin, doch durch ein verständnisvolles Arbeitsumfeld, geeignete Rahmenbedingungen und seine eigenen Bewältigungsstrategien kann er seine Fähigkeiten entfalten. Sein Lebensweg zeigt, wie wichtig eine frühe Diagnostik, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten und individuell abgestimmte Unterstützungsangebote sind.

Nicht die Diagnose entscheidet über die Zukunft eines Menschen, sondern die Möglichkeit, die eigenen Stärken in einer akzeptierenden und gut unterstützenden Umgebung zu entwickeln.

Spektrum statt Schublade.

Die vier Lebensgeschichten zeigen, wie unterschiedlich sich Autismus entwickeln und im Alltag zeigen kann – vom Kind, das früh Unterstützung erhält, bis zu Erwachsenen mit später Diagnose. Das Autismus-Spektrum umfasst Menschen mit vielfältigen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Lebenswegen. Eine Diagnose beschreibt nicht den Wert eines Menschen, sondern hilft dabei, Wahrnehmung, Stärken und individuellen Unterstützungsbedarf besser zu verstehen.

Neurodiversität bedeutet, neurologische Unterschiede als Teil menschlicher Vielfalt anzuerkennen und gleichzeitig passende Hilfen und Teilhabe zu ermöglichen. Wenn Familie, Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft Neurodiversität verstehen, entstehen bessere Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben.

Kontakt

Sprechen wir über Ihre Situation.

Ob Sie Eltern eines autistischen Kindes sind, selbst im Spektrum leben oder Angehörige begleiten: Im ersten Gespräch – in meiner Praxis in Naumburg (Saale), per Video oder am Telefon – klären wir, worum es Ihnen geht und welche Unterstützung passt.

Telefonisch erreichbar Mo–Fr 9–18 Uhr · E-Mail: kontakt@coachingpraxis-naumburg.de

Beratung und Coaching ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung.

In akuten Krisen erreichen Sie die TelefonSeelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall wählen Sie bitte die 112. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111.